Wenig Hoffnung für Offene Immobilienfonds

Foto: Re de Belleroche

Die Tagung des Verbandes der deutschen Immobilienjournalisten, immpresseclub e.V., im Juni 2026 in Frankfurt, machte für Offene Immobilienfonds vor allem in Backgroundgesprächen wenig Hoffnung. Auch ohne Gerüchte über wöchentliche Krisensitzungen bei manchen Fonds oder die „wer ist der Nächste“-Frage sprechen auch die Fakten für sich. Der scheidende Deka-Vorstand Matthias Danne macht einige Manager verantwortlich (vgl. „Der Immobilienbrief“ Nr. 627). Überträgt man PR-Dämlichkeit der meisten OIF-Assetmanager auf das Immobiliengeschäft dürfte das zutreffen. Eines versteht der Autor allerdings nicht. Offene Immobilienfonds, die 10 oder 20% abwerten oder in Konsolidierungsjahren 10% Negativrendite durch Wertanpassungen ausweisen, geraten sofort in die öffentliche Diskussion. Immobilien Aktiengesellschaften die durch „sportliche“ Bewertungs- und Bonitätsoptimierung oder ganz einfach durch Anlagedämlichkeit oder durch nicht fristenkongruente Anleihefinanzierung mit Insolvenzdrohung  zwischen 60 und 95% ihres Kurswertes verdummen, bleiben als „weiße“ Anlagen außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Anscheinend gehen BaFin und B-Bank davon aus, dass Aktionäre wissen sollten, dass ihr Geld spekulativ verknallt werden darf. (WR+)

Der Offene Immobilienfonds KanAm bestätigt sein „Sargnagel-Image“ für die Offenen Immobilienfonds (OIF). KanAm wickelt auch in diesem Schließungszyklus als erster Fonds wieder seinen OIF ab. Die Anleger bekommen, was übrigbleibt. Über 40% sollen schon abgeschrieben sein. + + + Der Habona Nahversorgungsfonds war letzte Woche der 5. OIF, der in diesem Jahr schließt. + + + Zum Schluss des Quartals hat die Aachener Grundvermögen den Aachener Spar- und Stiftungs-Fonds wegen akuter Liquiditätsengpässe aufgelöst. Jetzt fliehen nicht nur private, sondern auch institutionelle Anleger aus dem Bereich Kirche, Sozialkapital und gemeinnützige Stiftungen.

Die Teilnehmer der Verbandstagung des immpresseclub e.V., der Arbeitsgemeinschaft der Immobilienjournalisten, werden wohl zu Hause die Familien-Portfolios überprüfen – und so schnell verschwinden, wie eben möglich. Die Frage war nur, ob Zweitmarkt oder 1-Jahres-Kündigung sinnvoll sind. Der Autor, der anscheinend der letzte professionelle Befürworter der Offenen Immobilienfonds-Branche war bzw. ist, ist inzwischen auch mehr als nachdenklich. Optimismus und Professionalitätsvertrauen bekommen Risse. Allerdings hat der Autor nichts im Portfolio und hat schon vor 5 Jahren seinen Vermögensverwaltern untersagt, in Immobilien zu investieren. Bis auf die Quirin-„Fachleute“ mit einem „Wissensanteil“ aus dem Tal der Ahnungslosen im Portfolio ist da auch alles gut gegangen.

Richtig nachdenklich macht die brandaktuelle Schließung des Aachener Spar- und Stiftungs-Fonds durch Aachener Grundvermögen, weil die institutionellen Anleger aus dem Bereich Kirche, Sozialkapital und gemeinnützige Stiftungen abhauen. Aufgrund massiver Rückgabeverlangen von Anlegern (rd. 16,2 Mio. Euro bei einer Liquidität von nur rund 7 Mio. Euro) sei der Fonds in die Rückabwicklung übergegangen (Quelle: google). Aber wie man aus anderer Quelle hört, ist in der Kirche „Vergelt’s Gott“ sowieso die Währung, Dienstleistungen zu bezahlen.  Professor Thomas Beyerle hat für uns die Konsequenzen und den Ablauf im Chart dargestellt.  Allerdings bedeutet die Schließung lediglich Aussetzen der Anteilsrücknahmen. Das muss nicht zu einer Abwicklung führen wie bei KanAm, sondern kann nach Marktberuhigung wieder zu normalem Verlauf führen.

Interessant ist die Schuldzuweisung auch gegenüber BaFin, die wie auch Scope und die Medien – und auch wir – vor allem vor kleinen OIF gewarnt hatten. Vielleicht haben wir alle nicht über die Folgewirkungen nachgedacht. Ende Januar hatte BaFin-Chef Branson auf einer Pressekonferenz vor den Risiken kleinerer Immobilienfonds gewarnt. Die gesetzlichen Mindesthalte- und Kündigungsfristen seien knapp, wenn besonders viele Anleger an ihr Geld wollten und die Fonds Immobilien unter Druck verkaufen müssten, hatte Branson gesagt. „Insbesondere für kleinere Fonds kommt man ans Ende der Fahnenstange.“

KanAm bleibt unverdrossen auf „Sargnagel“-Kurs

Bereits im November 2003 warnte „Der Immobilienbrief“ („Der Immobilienbrief“ Nr. 51 vom 10. November 2003) und PLATOW (Platow Herbst Special 2003) vor einem „sportlichen“ Offenen Immobilienfonds von KanAm, der die verschlafene Branche aufrütteln sollte. Dem damaligen „Fondspapst“ Stefan Loipfinger waren vor allem die Aspekte Einwertungsgewinne, Verschuldungsgrad und der Umgang mit latenten Steuern aufgefallen. Auch Capital hatte bereits in der Ausgabe 18/2003 vorgerechnet, dass die drei im Rumpfgeschäftsjahr von KanAm erworbenen Objekte angeblich sofort nach Kauf um rund 20% aufgewertet worden seien. Stellen Sie sich einmal vor, der offene Immobilienfonds kauft in einem voll transparenten Markt eine Immobilie und wertet die sofort um 20% hoch und weist den Anlegern einen Gewinn aus! Irre! Wir stellten dann bei weiterer Recherche in unserer Blauäugigkeit schnell fest, dass das auf niedrigerem Niveau eine anerkannte Methode der OIF war, die Erwerbsnebenkosten auszuradieren. Naja, in einer Zeit laufender Wertsteigerung ist das nach drei Jahren ausgesessen. Wehe, es kommt anders. Und es kam anders.

Bereits im darauffolgenden Jahr 2004 musste KanAm im Gefolge der ersten Schließung eines Fonds durch die Deutsche Bank den KanAm Grundinvest Fonds schließen. Wenige Jahre später verdiente sich KanAm den Insidertitel „Sargnagel der Branche“. Diesmal leitete KanAm im Oktober 2008 mit der Schließung und späteren Abwicklung der OIF KanAm grundinvest Fonds und KanAm US-grundinvest Fonds die Schließungswelle ein, der am Ende 18 von 44 Fonds zum Opfer fielen, ein. Der Fairness halber muss allerdings angemerkt werden, dass die immobilienwirtschaftliche Abwicklung professionell war.

Und das Branchengedächtnis ist kurz. Mit dem nächsten Versuch, dem jetzt abzuwickelnden KanAm Leading Cities Invest erzielte KanAm Scope-Bestnotenranking und musste sogar den Mittelzufluss stoppen. Mit der Zinswende ging es dann steil bergab. Die erste Abwertung von gut 10% fiel für PLATOW/„Der Immobilienbrief“ in die Kategorie “ehrlich“, denn allein der Zinseffekt musste bei Renditeimmobilien zu Wertkorrekturen von mindestens 25% führen, wie wir Ihnen schon ein Jahr vorher vorrechneten. Inzwischen sind es laut „Das Investment“, die das durchrechneten, insgesamt 44% Abwertung. Wie es mit dem Schrumpffonds weitergeht, ist offen. Die Immobilien werden in Ruhe verkauft. KanAm macht klar, dass der von über 1 Mrd. auf gut 300 Mio. geschrumpfte Fonds sich nicht mehr rechnen kann. Interessant ist, dass in den jetzt fast 25 Jahren nach wie vor der Name Matti Kreutzer in verantwortlicher KanAm-Position auftaucht. Man müsste mal im Internet analysieren, wie schon Marcus Tullius Cicero oder Einstein es nannten, wenn jemand im Irrtum verharrt.

Wertkonstanz Offener Immobilienfonds überrascht Immobilienjournalisten

Wer als nächster Fonds in die Abwicklung, also in die Verlustrealisierung für den Anleger geht, ist offen. Natürlich haben die Beobachter die schon geschlossenen Fonds auf der Liste. Wertkorrekturen zwischen 10% und 30% seit dem Peak – CBRE berichtete auch von 60% – überraschen niemanden mehr. Überraschend ist eher die Wertkonstanz noch laufenden OIF. Ferndiagnosen sind immer schwierig, aber wenn die OIF, die die hohe Qualität ihrer Bestände immer betonen, auf einen Einbruch des Bewertungsindex JLL Victor von 27% bis 30% (Herbst 2023) überhaupt nicht reagieren, hat man entweder die Anleger nicht an Gewinnen beteiligt oder glaubt, die Bewertungskorrektur aussitzen zu können. Das wäre entweder einfach weltfremder Nullzinssenkungsglaube der „Halbzykliker“ im Management oder – nett formuliert – irreführend.

Einigkeit der Branche besteht aber darin, dass es diesmal nicht wie im Gefolge der Finanzkrise auch die Dickschiffe treffen wird, sondern eher die kleineren Fonds ohne großen Bankenhintergrund. Das aber kann die Schließungswelle insgesamt wieder beschleunigen. Und wenn es doch einen der großen Bankenfonds treffen sollte, dann könnte das das Ende der Branche einläuten.

Vorhergesagtes Wertverfallsdrama auf dem Weg in die Realität

Das Drama des von „Der Immobilienbrief“/Platow schon 2022 berechneten Wertverfalls („Finanzmathematik ist für alle da“) wird immer deutlicher.

immpresseclub-Referent Andreas Völker, GF BNPPRE, mahnte in seinem Vortrag auch die Notwendigkeit einer realistischen Preisfindung an, um den deutschen Immobilienmarkt wieder zu einer zukunftsorientierten Entwicklung mit internationalen Investoren zu führen.

Harald Thomeczek von der Immobilien Zeitung hat den Wertverfall herausgearbeitet. Am Beispiel des gescheiterten Opernturm-Verkaufs zur 21-fachen Jahresmiete wird das deutlich. Schaufensterpreise um die 23-fache Jahresmiete sind Träumerei. Internationale bieten 18-fach bis 19-fach. Und über die Berechnung der Miete muss man auch sprechen. Zum Peak wurden solche Landmark-Immobilien zu 35-fach mit Phantasie Richtung 40-fach gehandelt. Fakt ist jetzt, dass nach Analyse der Immobilien Zeitung die Verkaufspreise der 21 Objekte, die KanAm im Leading Cities allein 2024 verkauft hat, bei 303,7 Mio. Euro lagen. Das waren 123 Mio. Euro oder 29% weniger als die ursprünglichen Ankaufspreise von 426,7 Mio. Euro. „Der Immobilienbrief“ zeigte Ihnen die Marktentwicklung bereits vor fast 4 Jahren auf. Und es bedarf noch weiterer Korrekturen.

Von Werner Rohmert, Hrsg. „Der Immobilienbrief“, Immobilienspezialist „Der Platow Brief“, Vorsitzender immpresseclub e.V.

Berlin-Tagung des immpresseclub e.V. am 5. Dezember 2025 im China Club

Wintertagung des immpresseclub e. V.: Die Szene der Immobilien-Fachjournalisten war mit geladenen Gästen und Sponsoren auf 55 Teilnehmer begrenzt, recht vollständig vertreten.

Vorstand und Herausgeber „Der Immoblienbrief“ Werner Rohnert, eröffnete die Tagung. Interessante Referenten konnten gewonnen werden. So der Präsident des vdp Gero Bergmann und Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des vdp und Vorstand der Bayerischen Landesbank. Gero Bergmann: Deutschland brauche mehr bezahlbaren Wohnraum. Jens Tolckmitt: Er stellte den aktuellen Lobby-Langstreckenlauf zur Eingrenzung übergriffiger EU-Regulierungen vor, da diese das deutsche Bankensystem beeinträchtigen.

Klaus Franken, Geschäftsführer der Catella PM, hielt den Vortrag „Wohnungsbau – wie geht es heute überhaupt?“ Der Landschaftarchitekt und Stadtplaner, Professor Dr. Andreas Kipar sieht die Immobilien und Städte in alternativer Betrachtung als Teil der Landschaft „Cities of the Future – Nature as a driver of change“. Die Innovationsplattform der LAND Group erforscht und entwickelt neue digitale Methoden und datenbasierte Ansätze, um die Klimaresilenz von Städten zu verbessern.

ZIA-Präsidentin Iris Schöberl, ließ unter dem Thema „2025 als Jahr voller Entscheidungen: Politische Meilensteine und ihre Bedeutung für die Immobilienbranche“ ein Feuerwerk des aktuellen politischen Umfeldes los. Professor Dr. Johannes Beermann, Bundesbank-Vorstand a. D., Staatsminister a. D., berichtete über die Probleme von öffentlichen Großprojekten. Robin Lais, Gründer des Start-up reperks, und Timon Ivens stellten einen neuen Ansatz der KI-Anwendung in der Hausverwaltung vor.

Nikolaus Jagdfeld gab einen Überblick über die aktuellen Projekte in Deutschlands ältestem Seebad Heiligendamm. Zum Beispiel: DAS ENSEMBLE: Östlich des Grand Hotel Heiligendamm in erster Meereslinie, 8 Logierhäuser in der Perlenkette, 4 Villen in der südlichen Gebäudereihe.

>> Lesen Sie weiter „Der Immoblienbrief“ – Nr. 613

Ein Schritt in die richtige Richtung

Vortrag im China-Club von Hans-Kaspar von Schönfels zum 20-jährigen  immpresseclub-Jubiläum in Berlin.

Der Wertpapiersektor beherrscht noch heute die öffentliche Wahrnehmung stärker als die im Hintergrund stehenden Sachwerte. Doch vor mehr als 20 Jahren weichte  diese Einseitigkeit langsam auf.

Die Immobilie mit all ihren unterschiedlichen Aspekten und Themen eroberte sich allmählich den ihr gebührenden Rang als Assetklasse. Damit wird ihre volkswirtschaftliche Bedeutung anerkannt. Darüber hinaus belebte  eine zunehmende Professionalisierung die ganze Branche.

Dieser Prozess hat natürlich einen großen Einfluss auf die Medien. Egal, ob fachlich oder populär, man hat alle Herausforderungen angenommen. Um jedoch mit den aktuellen Veränderungsprozessen und den damit steigenden Qualitätsansprüchen seitens der Branche und der Leser Schritt halten zu können, gründeten sieben Immobilienjournalisten ihren eigenen immpresseclub. Übrigens, diesen griffigen Kurznamen hat meine Frau Re entwickelt und auch grafisch zur Reife gebracht.

Die Chefredakteure der Zeitschriften und Ressortleiter der Tageszeitungen wollen in Kooperation mit den freien Journalisten mittels ihrer „Arbeitsgemeinschaft europäischer Immobilienjournalisten“ die Kommunikation zwischen ihren Medien und der Immobilienwirtschaft optimieren.

Mit diesem verbesserten Informationsaustausch will man gemeinsam wachsen und hinsichtlich Qualität auch weiter fortbilden.

Die Club-Vorgeschichte reifte seit dem Jahr 2000 und konkretisierte sich bis hin zur Gründung.

Ganz persönlich hatte ich eine sehr gute Vorbereitung auf die Immobilienjournalisten, denn ich hatte sie Kopf für Kopf in meinem Magazin immobilien business porträtiert.

Die Clubgründung des immpresseclub e.V. erfolgte mit dem Eintrag ins Handelsregister am 24.9.2003, (Aktenzeichen VR 18192, Amtsgericht München). Sieben Journalisten wurden als Clubgründer eingetragen: Hans-Kaspar von Schönfels, Re von Schönfels, für das Magazin immobilien business; Peter Horn für den Immobilienteil der Süddeutschen Zeitung; Erich Gluch vom ifo institut; Myriam Gümbel von der Abendzeitung (leider schon gestorben), Thomas Kirchgraber von den Tageszeitungen merkur/tz und Stefan Loipfinger, Wirtschaftsjournalist und Kritiker.

Wintertagung 2024 des immpresseclub im Berliner China Club zum 20. Jubiläum

Top-Immobilienjournalisten diskutieren über die Branche und deren Perspektive in herausfordernden Zeiten.

In seiner Begrüßungsansprache thematisierte immpresseclub e.V. Vorstandsvorsitzender Werner Rohmert Historie, Gegenwart und Zukunft der Immobilienwirtschaft. Nachdenklich machte der erste Vortrag von Hans Lothar Domröse, ehem. 4-Sterne General und Stabschef der NATO Missionen im Kosovo und Afghanistan, der die aktuellen geopolitischen Entwicklungen für die Teilnehmer mit seinem Vortrag „(Europäische) Sicherheit inmitten Globaler Machtverschiebungen“ einordnete. Die Welt befindet sich im Unruhezustand, war die Eingangsbotschaft. Die positive Botschaft lautet aber Ukraine- und Gaza Krieg werden im kommenden Jahr (hoffentlich!) zur Ruhe kommen.

Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin ZIA, berichtete über die Zusammenarbeit mit der scheidenden Regierung. Das Bündnis bezahlbarer Wohnraum habe aus Sicht der Immobilienwirtschaft wichtige Impulse für den Wohnungsbau gesetzt. Von einem echten Durchbruch allerdings sei Deutschland noch weit entfernt. So fordere der ZIA schon starke Signale innerhalb der ersten 100 Tagen von der neuen Regierung.

Dr. Peter Güllmann, Sprecher des Vorstandes der BANK IM BISTUM ESSEN e.G. sprach über „Immobilien mit sozialer Verantwortung“ – Fair Banking im Spannungsfeld zwischen Impact Investment, Renditeerwartungen und kirchlichen Anlage- und Managementbesonderheiten“.

Paul Hock, Geschäftsführer Green Fusion, gab einen Einblick in die Perspektive, ohne investive Maßnahmen allein durch Digitalisierung des Heizungskellers durchaus 15% der Heizenergie einzusparen.

Anno August Jagdfeld als Visionär, der das Grand Hotel Adlon und den China Club gegen viele Widerstände realisierte, machte einen kurzen 30 Jahre Parforce-Ritt durch die Immobiliengeschichte.

Einen Gründungsrückblick zum 20. Jubiläum des immpresseclubs gab immpresseclub-Gründer Kaspar von Schönfels.

Nach einer Führung durch den China Club von Geschäftsführer Florian Hettler wurden all die im Tagesverlauf neu gewonnen Informationen beim festlichen Abendessen im Restaurant Medini, über dem China-Club, bis spät in den Abend weiter ausführlich diskutiert.

Text: Constanze Wrede 

Sommertagung des immpresseclub e.V. 2024 in Düsseldorf

Foto: Falk v. Schönfels

Am gefühlt bisher heißesten Tag des Jahres am 27. Juni trafen sich knapp 30 Journalisten der Immobilienszene und Immobilien-Ressortleiter einiger Publikumsmedien zur diesjährigen Sommertagung des immpresseclub e.V., der Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Immobilienjournalisten in Düsseldorf. Dazu gesellten sich geladene Gäste aus dem Kreis der Fördermitglieder sowie hochkaratige Referenten.

Gründer und Herausgeber des „Der Immobilienbrief“, Werner Rohmert, der seit 2004 Vorsitzender des immpresseclub e.V. ist, führte die Teilnehmer durch das Programm, das sich dieses Mal insbesondere mit den Auswirkungen der Krise, Insolvenzrecht, energetischer Sanierung und den Chancen und Risiken der KI beschäftigte.

Begrüßt wurden die Teilnehmer im eigenen Haus von Lars von Lackum, Vorstandsvorsitzender der LEG Immobilien SE.

Deutschland steht vor der großen Herausforderung, seine Klimaziele bis 2045 zu erreichen und gleichzeitig den steigenden Bedarf an Wohnraum zu decken. Vor diesem Hintergrund spielt die energetische Sanierung des Gebäudebestands, insbesondere von Gebäuden, die vor 1979 gebaut wurden, das entspricht etwa 65% des gesamten Bestandes, eine zentrale Rolle. In seinem Vortrag „Klimaschutz in Serie – grüner, schneller, kostengünstiger“ stellte Andreas Miltz, kaufmännischer Geschäftsführer von Renowate, ein pari-Joint Venture der LEG Immobilien und der österreichische Baufirma Rhomberg Bau, den Teilnehmern einen vielversprechenden Lösungsansatz vor.

Renowate begegnet den aktuellen generellen und energetischen Sanierungs-Herausforderung mit einem seriellen Sanierungsansatz, der auf einem Fünf-Stufen-Prozess basiert: Die Objekte werden vermessen, ein Digitaler Zwilling erstellt, die Sanierungsmodule werden vorgefertigt, Just-in-Time geliefert und dann schnelle und einfach an der Gebäudehülle montiert. Dadurch ergeben sich Kostensenkung durch Skaleneffekte und effizientere Prozesse, Zeitersparnis durch Vorfertigung und schnellere Montage, weniger Mieterbelastung durch kürzere Bauzeiten und geringere Mietminderungen, Nachhaltigkeit durch Reduktion von Verschnitt und Abfall und last but not least eine Steigerung der Mieterzufriedenheit durch verbesserte Energieeffizienz und Wohnkomfort.

Ein erstes Pilotprojekt in Mönchengladbach lieferte Renowate „learning by doing“ wichtige Erkenntnisse, die in die Weiterentwicklung des Systems einflossen, z.B. die Integration der Lüftungsanlage in die Fassade und die Entwicklung eines eigenen Systems zur Befestigung der Fassadenelemente. Renowate arbeitet seitdem kontinuierlich an der Optimierung und Standardisierung der Sanierungsmodule sowie der Einbindung von KI-basierten Tools, wie dem Fassadenkonfigurator. Aktuell werden bereits verschiedene Projekte in Düsseldorf und Mönchengladbach umgesetzt. Renowate adressiert mit seinem seriellen Ansatz sowohl den Drittmarkt (ca. 2,1 Mio. Gebäude) als auch den eigenen Bestand der LEG Immobilien Gruppe (ca. 115.000 Wohneinheiten).

Obwohl die Künstliche Intelligenz (KI) in den letzten 50 Jahren stetige Fortschritte verzeichnet hat, markieren die jüngsten Entwicklungen, insbesondere im Bereich Generativer KI (GenAI) – wie z.B. ChatGPT – einen signifikanten Durchbruch, der sich wohl schnell exponentiell fortsetzen wird. Dr. Alexander Hellmuth, Partner Strategy and Transactions bei der EY Real Estate GmbH  referierte anschaulich über die Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz, insbesondere der Generativen KI, in der Immobilienwirtschaft.  Durch die Integration von KI können Aufgaben und Prozessen wie Recherche, Kommunikation und Dokumentation automatisiert werden. „Es ist davon auszugehen, dass etwa 20- 60% der typischen Administrationstätigkeiten automatisierbar sind“, so Hellmuth. Die Integration von KI in bestehende Prozesse erfordere jedoch umfassende IT-Transformationsprojekte. Die Implementierung eines Chatbots allein reiche nicht aus, um das volle Potenzial auszuschöpfen. Eine kohärente Strategie, die sowohl die technischen Aspekte der Implementierung als auch die Einbindung und Schulung der Mitarbeiter berücksichtigt, sei im Transformationsprozess notwendig. Die „Dunkelverarbeitung“, bei der Prozesse vollständig automatisiert und ohne menschliches Zutun im Hintergrund ablaufen, hob Hellmuth als Schlüssel zur Maximierung der KI-Effizienz hervorgehoben. Vor dem Erreichen der „Schönen Neuen Welt“ gilt es jedoch noch einige Herausforderungen zu bewältigen, wie z. B. regulatorische Hürden, Datenschutzbedenken, Haftungsfragen bei Fehlentscheidungen von KI-Systemen und last but not least die Notwendigkeit einer modernen IT-Infrastruktur.

Im Fazit birgt der Einsatz von KI, insbesondere von GenAI, der Immobilienwirtschaft enormes Potenzial zur Effizienzsteigerung und Prozessoptimierung. Die Realisierung dieses Potenzials erfordert jedoch erhebliche Investitionen in IT-Infrastruktur, eine klare Strategie, die Einbindung der Mitarbeiter und die Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen.

Dr. Patrick Adenauer, Geschäftsführender Gesellschafter von Bauwens gab den Mitgliedern des immpresseclub e.Vs einen aktuellen Überblick über die aktuellen Entwicklungen und Investitionsmöglichkeiten im Wohnungsbau in Deutschland und den USA. Während Deutschland aufgrund von regulatorischen Hürden und einem volatilen Förderumfeld vor Herausforderungen steht, erweisen sich die USA, insbesondere der Sunbelt, aufgrund von Bevölkerungswachstum, einer starken Wirtschaft und einem unterversorgten Wohnungsmarkt als attraktiver Investitionsstandort.

Der Nutzermarkt in Deutschland ist solide. Der demografische Wandel, insbesondere die Zunahme von Single-Haushalten, führt zu einer steigenden Nachfrage nach Wohnraum, insbesondere in Metropolen. Aufgrund der aktuellen Marktsituation gekennzeichnet durch hohe Inflation und Zinsen verschiebe sich die Nachfrage derzeit vom Kauf- zum Mietmarkt. Im Gegensatz dazu ist das Transaktionsvolumen im Immobilienmarkt im Vergleich zu den Vorjahren aufgrund der geänderten Marktparameter stark eingebrochen. Für Investoren entspricht die Risikoprämie für Immobilieninvestments im Vergleich zu „risikofreien“ Staatsanleihen entspricht nicht der notwendigen Rendite. Zudem machten die zahlreichen Bauvorschriften und eine volatile Förderlandschaft den Wohnungsbau komplex und schwer planbar. „Die Regulatorik“, so Adenauer „macht den Wohnungsbau nicht nur komplex, sondern in den vergangenen Jahren unbeständig und wenig planbar!“.

 Dr. Adenauer präsentierte den Teilnehmern aber auch Lösungsansätze für den Weg aus der Krise, denn „Wir müssen die aktuelle Lage annehmen und neue Lösungswege entwickeln“, so Adenauer. Konkret nannte Dr. Adenauer die Punkte:

  • Knowhow Monetarisierung: Projektentwicklung als Dienstleistung und Beratung für Restrukturierungen.
  • Fokus auf Qualität und Nachhaltigkeit: Um sich von der Konkurrenz abzuheben.
  • Diversifikation der Auftraggeber: Zur Risikostreuung.
  • Transformation der Immobilienbestände: Investoren sollten den Fokus auf die Transformation bestehender Immobilien legen.
  • Industrialisierung der Wertschöpfungskette: Modularisierung und Standardisierung im Bauwesen.

 Die USA weisen lt. Adenauer im Vergleich zu Deutschland deutlich bessere Fundamentaldaten und eine stabile Entwicklung auf (z.B. Wirtschaftswachstum, Arbeitslosenquote). Ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum bei schon bestehendem Nachfrageüberhang fände sich insbesondere im „Sunbelt“ der USA, in dem auch Adenauers GAR GERMAN AMERICAN REALTY aktiv ist, was die Nachfrage nach Wohnraum erhöht. Darüber hinaus zeichne sich der Sunbelt durch wirtschaftsfreundliche Gesetzgebung, niedrige Lebenshaltungskosten und ein investitionsfreundliches Klima aus.

Passend zu den aktuellen Insolvenzmeldungen zeigte Insolvenzspezialist Ingmar Jarchow von TURNER mit seiner Präsentation „ Die geplante Insolvenz – eine nicht strafrechtliche Betrachtung“ die verschiedenen Verfahren zur Sanierung oder geordneten Abwicklung von Unternehmen in Deutschland auf. Dabei beleuchtete er verschiedene Szenarien, von der Eigensanierung über das Staatliche Restrukturierungsverfahren (StaRUG) bis hin zu verschiedenen Formen der Insolvenz.

Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen diskutierte Jarchow auch steuerliche Aspekte und die Haftungsrisiken für Geschäftsführer. Jarchow betonte, dass Geschäftsführer bei Insolvenzreife zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen ausgesetzt sein können. Die Wahl des richtigen Sanierungsinstruments kann dabei dazu beitragen, diese Risiken zu minimieren. Anhand des „Bremer Modells“ und dem Fall „Leoni AG“ demonstrierte er zwei Praxisbeispiele für die missbräuchliche Verlagerung des Gesellschaftssitzes („Forum Shopping“) vor Insolvenzverfahren und die Durchführung eines sogenannten „Squeeze-outs“ womit Unternehmen auch in einer Krisensituation handlungsfähig bleiben können.
Von Constanze Wrede

STEHEN DIE SCHWARMFINANZIERUNGEN VOR DEM KOLLAPS?
430 Finanzierungen bereits formal insolvent, viele weitere zahlen nicht

Dramatische Entwicklungen kündigen sich bei Crowd-Funding bzw. Schwarmfinanzierungen an, bei dem mit Kleinstbeträgen in kleinere Projektentwicklungen mit meist 5 bis 6% Verzinsungsversprechen für Nachrangdarlehen investiert wurde. 

Von Werner Rohmert, Hrsg. „Der Immobilienbrief“, Immobilienspezialist „Der Platow Brief“

Zum Background: In der Nullzinsphase schien Crowd Funding attraktiv und bescherte im Hype bei kurzer Anlagedauer zunächst Erfolge. Frühe Schwierigkeiten mit Insolvenzen wurden mit Investorenkapital still gehalten, um das Vertriebsmodell nicht zu gefährden. In der anfänglichen Erfolgsphase erhöhten die Anleger ihre Spieleinsätze je nach Quelle auf durchschnittlich 5.000 bis 10.000 Euro. In der Regulierung lief Crowd Funding unter „Welpenschutz“. Klassische Fonds-Prospektierungsanforderungen wurden locker gesehen. Politik und Anleger waren sich der Nachrangproblematik mit annähernder Totalverlust-Garantie bei Projektschwierigkeiten nicht bewusst. Fehlendes Immobilien Know how bei Plattformen spielte im Selbstheilungsboom explodierender Preise keine Rolle. Die formal kleinen Beträge schienen der Politik keiner Beachtung wert, im Gegenteil, niemand wollte sich auf die Fahnen schreiben, gegen den medialen Hype das junge Finanzierungsmodell zu beschneiden. Mit zunehmendem Zwang der Crowd-Plattformen, die Projekt-Pipeline des wachsenden Marktes und den gleichzeitig wachsendem Bedarf an Risikokapital in immer schwierigeren Märkten zu füllen, sank die Qualität. Das rächt sich jetzt.

Der Initiator der Anlegerschutzplattform investmentcheck.de, Stefan Loipfinger, der in den 90er und 00er Jahren als „Fondspapst“ bekannt war und gemeinsam mit „Der Immobilienbrief“, Platow und Anlegerschutzmedien stark zum damaligen Anlegerschutz beitrug, berichtete von einer dramatischen Entwicklung. „Der Immobilienbrief“ hatte frühzeitig auf das Totalverlustrisiko einer Nachrangfinanzierung hingewiesen, was letztlich bedeutet, dass Probleme eines Projektes, die sogar unauffällig im Eigenkapital- oder Nachrangbereich abgearbeitet werden können, ausreichen, ein gestreutes und ansonsten voll erfolgreichen Gesamtinvestment von 10 oder 20 Finanzierungen auf eine Nullrendite zu setzen. Zudem war uns lange vor Covid und Ukraine aufgefallen, dass allein eine leichte Konsolidierung des gehypten Preisniveaus um 10 bis 15% ausreichen würde, die Projektentwicklungen in Schwierigkeiten zu Lasten des Nachrangkapitals zu bringen. Damals hatten wir Zinsexplosion, Bruch der Lieferketten, Baupreisexplosion, Terminprobleme, Energiekosten und vieles mehr, das aktuell den Projektentwicklermarkt erschwert, noch gar nicht im Blick. Hinzu wunderte es uns, dass die formalen Zusatzsicherheiten, die die Plattformen zur Werbung nutzten, regelmäßig mit klassischen Negativklauseln vorrangiger Finanzierungen kollidieren müssten.

Derzeit sind allein auf investmentcheck.de 430 echte Insolvenzen gemeldet, so Loipfinger. Hinzu kämen hunderte Finanzierungen in Schwierigkeiten. Schließlich sei der Nachrang-Anleger völlig ohne Kontroll- oder Eigentumsrechte dem Kreditnehmer und der vermittelnden Plattform ausgeliefert. Der zahle oft aufgrund von Projektproblemen einfach nicht. Ein nennenswertes Kredit- und Immobilienmanagement habe es seitens der jungen Plattformen nicht gegeben. Zusatzsicherheiten seien nie kontrolliert worden. Eine Mittelverwendungskontrolle habe es regelmäßig nie gegeben. Zu den realen Schwierigkeiten des Projektentwicklermarktes und gesunkener Exitpreise kämen Verhaltensauffälligkeiten hinzu. Da ja nie das Gesamtportfolio von Developern finanziert sei, und Probleme ja auch die anderen Projekte beträfen sei davon auszugehen, dass viele Entwickler spezifische projektbezogene Schwarmgelder in andere Projekte umgeleitet hätten. Insofern sei von einer dramatischen Entwicklung auszugehen. Auf die Frage, warum die Plattformen noch täglich mit Angeboten auf dem Markt seien, und es noch nicht zu Prozessen gekommen sei, die auch die Anwälte Ingmar Jarchow und Werner Klumpe erwarten, verwies Loipfinger auf die Zeitachse, da die Probleme sich erst seit der Zinswende ballen, und weder Insolvenzen noch Zahlungsaussetzungen allein Klagegründe sind bzw. Sinn machen. Die Plattformen als Vermittler werde es erst später treffen. Aber da seien Insolvenzen zu erwarten.

Herausfordernde Zeiten für die Immobilie

Links die Siegesäule (Goldelse) und rechts die Charité gegenüber dem Adina-Hotel in Berlin
Links die Siegesäule (Goldelse) und rechts die Charité gegenüber dem Adina-Hotel in Berlin (Foto: Re de Belleroche)

Am 30. November 2023 trafen sich zur Wintertagung des immpresseclub e.V. in Berlin über 50 Teilnehmer – Journalisten der Immobilienszene, Immobilien-Ressortleiter einiger Publikumsmedien und einzeln geladene Gäste.

Der Vorstandsvorsitzende des immpresseclub e.v., Werner Rohmert, thematisierte in seiner Begrüßungsansprache Historie, Gegenwart und Zukunft der Immobilienwirtschaft. Zur Einstimmung blickte Rohmert kurz auf seine 25 Jahre alten Thesen, die sich in den letzten Jahren manifestierten zurück. Aus aktuellem Anlass des laufenden Jahres wunderte sich Rohmert bereits im Juni 1996: „Bewundernswert ist die Fähigkeit mancher AG’s, selbst die langweiligsten Immobilienbestände als ‚Phantasie‘ zu verkaufen, obwohl sie nach Analysen von Fachleuten bereits pleite ist.“ … „Was liegt da näher als gute Objekte kurzfristig abzustoßen, die schlechteren zu halten, Gewinne zu tunen und den Kurs zu beeinflussen.“ – Ein Schelm, wer dabei an „Wohnungen und Büros mit Phantasie“ in AG-Bilanzen denkt. Zum Thema Homeoffice stellte Rohmert schon im Mai 1996   fest , als Bildschirme noch 12 Zoll maßen und 1 m tief waren: „Bei jedem Dienstleister brauchen circa 50% der Mitarbeiter kein Präsenzbüro. Dazu kommt, dass Flächenersparnisse zwischen 10 und 25% durch organisatorische Maßnahmen möglich sind. Die Ansprüche bei Büros werden sich in puncto Qualität, Quantität und Lage dramatisch ändern.“ 25 Jahre dauerte es, bis der Katalysator Corona Visionen Wirklichkeit werden ließ. Auch ein weiteres Potpourri von Prognosesprüchen erheiterte. Allerdings feiern auch die dümmsten Fehler der Projektentwicklung heute ein Revival. Am dümmsten ist es, eine teure Immobilie auf ein billiges Grundstück zu setzen.

Aber bei aller damaligen Kritik an der eher zeitgeistigen Prognosefähigkeit der Immobilienwirtschaft ergab sich ein wesentlicher Unterschied zu heute. Die Grundstimmung zu Volkswirtschaft und Rahmenbedingungen war positiv. Was uns heute Sorgen macht, gab es nicht. Der Wegfall der Sonder-AfA war das größte Problem. Die heute schon oft beschriebenen großen, deutschen „D’s“, die das Leben schwer machen, gab es nicht. Demographie profitierte in den 90ern von der Wiedervereinigung. Globalisierung war angesagt, nicht Deglobilsierung. Dekarbonisierung war kein Thema. Statt Defense-Sonderschulden im dreistelligen Milliardenbereich zu planen, wurde die Friedensdividende abgeholt. Deutschland war führende Industrienation und stolz darauf. Deindustrialisierung war „irre“. Die Infrastruktur in den neuen Bundesländern explodierte. Der Westen hielt den weltbesten Status Quo. Und trotzdem wurde in den folgenden Jahren Deutschland der kranke Mann Europas.

Und wenn wir vorausschauen, statt uns an der Vergangenheit hochzuziehen, wird klar, dass die großen kommenden Entwicklungen strukturelle und keine zyklischen Probleme darstellen. Natürlich werden wir uns gewöhnen und Übertreibungen gehen zurück. Der Corona-Homeoffice-Boom bildet sich auf ein noch zu definierendes Niveau zwischen 10 und 20% des Flächenbedarfs zurück, aber ein Bodensatz bleibt. Private und institutionelle Käufer und auch Banken geraten immer mehr in Klimapanik. Das lähmt den Markt und zerlegt Bewertungen . Die Zwänge bleiben aber, auch wenn sie nicht so heiß gegessen wie geplant werden. Die Zinskrise erreicht bald den Höhepunkt und wird kalkulierbar. Die Zinsen bleiben aber. Inflation, Lieferkettenbruch, sowie Energie- und Kostenkrise bilden sich allein durch den Basiseffekt zurück. Es bleibt trotzdem alles teurer. Der Konjunkturzyklus trifft mit Verzögerung und ist zyklisch. Das Wachstum bleibt auch nach Erholung bloß undynamisch. KI/AI werden viel schneller sein als das Internet. Es braucht am Anfang wenig Hardware und funktioniert sofort. Die Bürowirkungen können hässlich werden. Im Fazit führen viele kleine Bodensätze aller einzeln zu beherrschenden Entwicklungen in der Addition zu einem Krisen-Potential, das zu einer Niveautransformation zumindest beim Büro führen wird. Die größte Büro-Krise der deutschen Industriegeschichte steht uns bevor!

Im ersten Vortrag ging Professor Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Clusters Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. , eingehend auf die aktuelle Lage und Zukunft der Büromärkte ein. Noch stiegen die Spitzenmieten, die konjunkturelle Eintrübung belaste die Büromärkte aber zunehmend. So hänge die Zahlungsbereitschaft von den Gewinnen der Unternehmen ab und die makroökonomische Unsicherheit induziere Kosteneinsparungen. Das mobile Arbeiten ermögliche Einsparungen bei Flächen, was zu einer Konzentration auf essentiell wichtige Flächen führe. Als multiple Krisen für den Büroimmobilienmarkt identifiziert Voigtländer so die konjunkturelle Entwicklung, das mobile Arbeiten und die sich beschleunigende Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Profitierten die Büromärkte in den letzten Jahrzehnten von dem starkem Beschäftigungsaufbau könnten sie zukünftig durch das mobile Arbeiten und durch einen deutlichen Stellenabbau aufgrund des Arbeitseinsatzes von KI unter Druck geraten. Das mobiles Arbeiten schafft laut Voigländer Potenziale für Flächeneinsparungen insbesondere in den Bereichen der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Berater, Werbung und Marktforschung, Dienstleistungen und Unternehmensberatung. Die KI könnte auf mittel- bis langfristige Sicht viele Aufgaben im Wirtschafts-/ Geschäftsbereich, im Management und in den Wissenschaften übernehmen und entsprechende Arbeitsplätze obsolet machen. Lediglich die Berufe mit hohen emotiven und sozialen Komponenten dürften von der KI langfristig verschont bleiben.

Um die Glut am Büroimmobilienmarkt am Glühen zu halten, bedarf es folglich einiger Anstrengungen. Entscheidend sind laut Voigtländer Konzepte, die für den Nutzer attraktiv sind (Co-Working, Satellitenbüros). Aus Nachhaltigkeitsgründen sollte der Fokus dabei auf Umbau und nicht auf Neubau liegen. Hilfreich könnten hier politische Anreize sein, „alte Kästen“ zu kaufen anstelle von bereits vollständig sanierten und zertifizierten Objekten. Insgesamt sieht Voigtländer keinen schnellen, harten Crash am Markt, aber allenfalls moderate Preisentwicklung Unter den Vermietern werde sich der Konkurrenzdruck verstärken.

„Der Gutachter soll den Markt beschreiben, nicht machen“ lautet die Devise von Piet Kok, Head of Valuation bei der Berlin Hyp in seinem Vertrag „Immobilienbewertung und Einfluss auf Bankenverhalten“. Doch was bleibt zu bewerten, wenn kaum Markt stattfindet? Wo liegt der Vergleichswert eines Objektes, wenn die Preisvorstellung des Verkäufers nicht erreicht wird? Und ist er tatsächlich höher, sollte ein Käufer mehr bereit sein zu zahlen, als der Verkäufer aufruft? Und wie bemessen und unterscheiden sich eigentlich Marktwert und Verkehrswert? Eine Bewertung sollte kontinuierlich erfolgen, das Überschreiten der 10%-Wertschwelle ist laut Kok Anlass für eine Neubewertung. Und diese Neubewertung werde deutliche Effekte auf die Kundengespräche haben, die die Banken über kurz- oder lang führen werden. Und die Preise geraten derzeit sowohl auf der Finanzierungsseite als auch auf der Ertragsseite unter Druck. Beim Einzelhandel bleiben die Fußläuferfrequenzen in den Innenstädten immer noch deutlich unter den Vor-Corona-Werten zurück, auch hochwertige Flächen werden zu günstigeren Konditionen vermietet. Die Kapitalwert- und Mietentwicklungserwartung im primären und sekundären Handel sehen die RICS für die nächsten 12 Monate negativ.

Lediglich die Mieterwartung im Prime Office Markt sehen die RICS positiv, alle übrigen Parameter stehen auf „negativ“. Wie sich die neue Arbeitswelt gestalten wird, wird sich zeigen. Klar sei aufgrund bisheriger Studien nur, dass dienstags um 11 Uhr Büroflächen am stärksten gebraucht werden. Tendenziell prognostiziert Kok einen rückläufigen Bedarf. Doch was tun mit den Flächen? Laut Kok eigneten sich nur rund 10% der obsoleten Flächen zum Umbau. Und wie schnell Büroflächen obsolet werden können verdeutlichte Kok am Beispiel von Warschau. In kaum einer anderen europäischen Stadt werde derzeit so viel gebaut, kaum eine andere Stadt sei so dynamisch. Kurze Mietlaufzeiten und der Wunsch der Mieter nach immer aktuellen Flächen führten dazu, dass in Warschau Büroobjekte auch schon mal nach 25 Jahren wieder abgerissen würden.

Auch sieht Kok den Attraktivitätsverlust von Immobilienanlagen gegenüber alternativen Investments. Der Renditevorteil vor Corona sei beispielslos hoch gewesen, trotz höherer Renditen. Der Spread von 300 bps gegenüber Unternehmensanleihen während der Niedrigzinsphase sei historisch hoch gewesen. Die Erwartung ist, dass wir da nicht wieder hinkommen und nach Kok auch nicht müssen, um einen liquiden Immobilienmarkt zu sichern.

Aus dem Kreis der Fördermitglieder stellte Michael Denk, Geschäftsführer Quadoro Investment GmbH, die Neuerungen des Carbon Risk Real Estate Monitor (CRREM) vor, der der Immobilienbranche transparente, wissenschaftsbasierte Dekarbonisierungspfade vorgibt, die an den Pariser Klimazielen ausgerichtet sind, den globalen Temperaturanstieg auf 2 °C zu begrenzen und 1,5 °C anzustreben. Mithilfe des Tools können Verantwortliche den CO2-Fußabdruck eines Gebäudes während der Nutzungsphase messen und gegen die Reduktionsziele benchmarken. Für jedes Gebäude wird eine exakte Position auf dem Dekarbonisierungspfad und der voraussichtliche Stranding Zeitpunkt ermittelt. Das neue CRREM-Update führt nun zur Verschärfung der Zielpfade und setzt die Immobilienbesitzer unter noch höheren Handlungsdruck und vor große Herausforderungen. Außerdem steigt zusätzlich die Verunsicherung, denn grundsätzlich gelte, dass die CRREM-Pfade jederzeit erneut angepasst werden können. Folglich müssen Immobilienbesitzer flexibel reagieren und ihr ESG-Reporting an entsprechende Updates zu Zielen und Methodik anpassen können.

„Denk ich an Deutschland in der Nacht…“ eröffnete Professor Dr. Johannes Beermann, Vorstand Deutsche Bundesbank a.D., Staatsminister a.D. seinen Impulsvortrag zum Thema Finanzierung mit anschließender Diskussion und summierte damit gleich die Aussichten und Perspektiven. Zwar zeige sich die Inflation nach den Rekordständen Ende 2022/ Anfang 2023 wieder rückläufig auf im November rund +3,2% und die Zinsrallye scheint zunächst beendet, die Auswirkungen der beiden Parameter auf die Geldwirtschaft seien aber nach wie vor nicht abschließend absehbar, da diese zeitverzögert reagiere. Der Zinspeak sei wohl erreicht, Zinssenkungen seien im Verlauf des 1. Halbjahres denkbar. Dass der Zins aber je wieder auf den Rekordtiefststand der letzten Jahre sinke, sei unwahrscheinlich. Das Zinsinstrumentarium ließe sich die EZB nicht wieder aus der Hand nehmen. Und mit einem Zinssatz zwischen 3 und 4% ließe sich leben und arbeiten. Beermann erinnerte sich an die Expo Real Messen der Jahre 2010 und 2011, wo das Erreichen der 4%-Marke von den Investoren feucht fröhlich gefeiert worden ist. Die Feierlaune ist jetzt verebbt, Beermann rechnet mit einer Fortsetzung des negativen Trends in der Bauwirtschaft.

Die Preise am Gewerbemarkt verliefen historisch gesehen synchron zur wirtschaftlichen Entwicklung, was einen Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten Quartale geben dürfte. Neben der wirtschaftlichen Eintrübung identifizierte Beermann auch die hohe Unsicherheit als limitierenden Faktor. Er könne sich an keine Situation erinnern, in der die Unsicherheit je so hoch und zudem eine Regierung so uneins gewesen sei. Neuwahlen sieht Beermann derzeit nicht, wie die Deutschen 2025 wählen werden, werde spannend. Ministerialdirektor a.D. Robert Scholl bestätigte die gedrückte Stimmung in den Ministerien. Es würde zwar viel gearbeitet aber sich auch viel gegenseitig abgearbeitet. Das Engagement der Bundesbauministerin Klara Geywitz lobten sowohl Scholz auch auch Beermann. Sie versuche viel, oft seien ihr aber die Hände gebunden. In der abschließenden Diskussion: „Wohnimmobilien – Chancen, Bewertungen, Trends und Pleiten“ diskutierten Werner Rohmert, Klaus Franken, Geschäftsführer Catella Project Management, Geschäftsführer, Nicola Halder-Hass vom Verband für Bauen im Bestand e.V., sowie Professor Dr. Johannes Beermann und Frank Peter Unterreiner, Herausgeber Immobilienbrief Stuttgart und selbst am Stuttgarter Wohnimmobilienmarkt Aktiver, über die Lage am Wohnimmobilienmarkt. Unzweifelhaft sei, dass ein hoher Bedarf an Wohnraum bestehe, die Nachfrage übersteige das Angebot und stelle weiteres Mietsteigerungspotenzial in Aussicht. Die kontinuierliche Cashflow-Kalkulation stellt Klaus Franken ins Zentrum der Betrachtung. Die Zeiten, in denen Gewinne allein durch Preissteigerungen in die Kasse gespült wurden, seien vorbei. Bei einem Vulkanausbruch sei man gut beraten, zunächst das Weite zu suchen. Aber in der nächsten Phase gelte es zu retten, was zu retten ist. Dann beginne die Bergung und Schadensanalyse. Schließlich ist es Zeit zum Wiederaufbau. Dabei mag das Bild des Vulkans Hoffnung vermitteln, denn bekanntlich ist die Vulkanerde sehr fruchtbar und nach Ende der Eruption lässt die Natur (und der Markt) Früchte wieder wachsen und gedeihen. Nach der Eruption gelte es schnell die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. Auch Franken sieht den Zinspeak erreicht und deshalb könne jetzt wieder gerechnet werden und das hauptsächlich auf Basis des Cashflows. Ohne das Eingreifen der Politik werde es aber schwierig. Zum einen bedarf es einer Entbürokratisierung, die sich negativ auf die Kosten niederschlägt. Ziel müsse es sein, den Quadratmeter wieder für 2.500 Euro errichten zu können.

Eine Lanze für die Bestandssanierung brach Nicola Halder-Hass vom Verband für Bauen im Bestand e.V.. Frank Peter Unterreiner sieht die Zeit für Investments in Wohnen bereits gekommen. Der Markt werde wieder anziehen und die Preise hätten bereits so nachgegeben, dass sich antizyklisches Investieren jetzt lohnen könnte.

Auf der diesjährigen immpresseclub-Mitgliederversammlung wurden der Vorstand, bestehend aus dem langjährigen Vorsitzenden Werner Rohmert, Brigitte Mallmann-Bansa, Chefredakteurin Immobilienzeitung und Frank Peter Unterreiner, Herausgeber „Immobilienbrief Stuttgart“, entlastet und mit großer Mehrheit wiedergewählt. Ebenfalls entlastet und im Amt bestätigt wurde der langjährige Schatzmeister Ministerialdirektor a.D. Robert Scholl.

Alle im Tagesverlauf neu gewonnen Informationen, gehörte Meinungen und aufgezeigte Perspektiven wurden, bei einem gemütlichen gemeinsamen Abendessen weiter ausführlich diskutiert. Die Prognosen der Vereinsmitglieder für das kommende Jahr fielen dabei unterschiedlich aus. Sicher ist nur, dass das nächste Treffen des immpresseclub e.V. im Juni stattfinden wird und das 20-jährige Bestehen des Verbandes im Dezember 2024 feierlich zelebriert werden soll.

Text: Constanze Wrede, Chefredakteurin „Der Immobilienbrief“
Mehr dazu im Immobilienbrief Nr. 565 >>

 

Sommertagung in Frankfurt

Foto: Re de Belleroche

Die Immobilienjournalisten und die Prominenz der Branche trafen sich am 22. Juni 2023 in Frankfurt zur Tagung des immpresseclub e.V. im Hotel Adina.

Werner Rohmert, der Einladende, ist seit fast 20 Jahren Vorsitzender des Clubs und Autor und Gründer des Immobilienbriefs.

Die Referenten und Diskussionsteilnehmer:
Professor Dr. Dr. h.c. Bert Rürup, Präsident und Chefökonom Handelsblatt Research, erläuterte im volkswirtschaftlichen Background den „Offenheitsgrad“ der deutschen Wirtschaft, die die internationale Abhängigkeit von einer global Offenen Weltwirtschaft aufzeigt. Deutschland ist die internationalste  große Volkswirtschaft der Welt. Selbst die Exportnationen China und Japan sind im Vergleich mit riesigem Abstand autark – die USA sowieso. Aktuell sei das Wachstum des Welthandels deutlich rückläufig. Deglobalisierung ist Gift für Deutschland. Während der Welthandel von 1970 bis 2008, dem Jahr der Finanzkrise, von 25% auf über 60% des Welt-BIP gestiegen sei, sei er seither deutlich Richtung 50% gesunken. Demographie sei das nächste Damoklesschwert. Ab 2024 werde der Altenquotient deutlich steigen. Damit ginge das Produktionspotential zurück. Gleichzeitig nehme das Alter des Medianwählers zu, so dass politische Reaktionen gegen die zunehmend älteren Wahlbürger erschwert würden.

Dr. Joachim Wieland, CEO Aurelis, zu Entwicklungen auf den Immobilienmärkten mit Überlegungen, wie sich das aktuelle Umfeld auf Preisentwicklungen auswirken wird. Researcher Professor Thomas Beyerle und Klaus Franken als Milliarden-Wohnungsinvestor ergänzten ad hoc aus der Praxis.

Philip von Mettenheim,  CBH Rechtsanwälte mit einem Update  des presserechtlichen Themas: Aktuelle Abstimmung.

In der Diskussionsrunde zum Spannungsfeld zwischen ökonomischer Bilanzwahrheit und Bewerter-Vergleichswert-Prinzip hörten wir  Brigitte Adam, ENA Experts mit Universitäts-Professor Dr. Karl-Georg Loritz,  Dr. Gernot Archner und den Steuerexperten Marcus Lütgering.

Mehr dazu im Immobilienbrief Nr. 554 (Ab Seite 3)